Der Familienname Stolzenbach


Gedanken über die Gründung der Stadt Homberg
von Jens Stolzenbach (2025)

Ich habe mich mit der einschlägigen Literatur beschäftigt und bin dort auf unbegründete Behauptungen über die Entstehung der Stadt Homberg an der Efze gestoßen.
Diese werden auch heute noch ungesehen in neuen Publikationen übernommen, obwohl es schon kritische Stimmen dazu gibt.

Vorwort:
Jeder, der seine Ahnen erforscht, wird sich auch mit der Geschichte der Region beschäftigen, aus der seine Vorfahren stammen. Man kommt nicht umhin, einschlägige Literatur[1] heran zu ziehen, um Ereignisse in der Genealogie mit der Lokalgeschichte in Verbindung zu bringen. In meinem Fall habe ich mich mit der Geschichte der Stadt Homberg an der Efze und seiner Umgebung beschäftigt und verschiedene Bücher gelesen, die sich mit der Geschichte der Stadt beschäftigen.

Seit dem 19. Jahrhundert findet man in den Büchern der verschiedenen Autoren immer die Meinung wieder, der Landgraf von Thüringen hat die Stadt Homberg an der Efze in dem Zeitraum zwischen 1190 und 1231 gegründet.

Die Lehrmeinung:
Aus der Tatsache, dass erstmals in einer Urkunde des Klosters Hersfeld aus dem Jahre 1162, ein Rentwig von Homberg erwähnt wird, ist auch ein „Platz Homberg“ genannt worden. Denn der Name wird als Herkunftsname klassifiziert.
Man geht davon aus, da im Jahr 1162 noch keine Stadt „Homberg“ südlich des Schlossberges vorhanden war, konnte sich Rentwig nur nach einer Burg auf den „Hohen Berg“ benennen. Rentwig von Homberg wird 1162 als „ministeriales“[3] des Kloster Hersfeld bezeichnet. Somit kommt man zu dem Schluss, dass der Abt der Reichsabtei Hersfeld der Lehnsherr dieser Burg war.
Es ist unbekannt, ob Rentwig diese Burg selbst auf eigenen Grund errichtete und diese dann dem Abt zu Lehen aufgelassen habe. Dies dürfte dann vor 1162 geschehen sein.
In einer Urkunde des Jahres 1189 wird Rentwig von Homberg als Zeuge für den Landgrafen Ludwig III. von Thüringen genannt und im Jahre 1192 zu den Leuten des Landgrafen gezählt. Somit gibt es keinen Zweifel, dass die Burg auf dem „Hohen Berg“ seit ca. 1190 im Besitz des Landgrafen von Thüringen war.
Im Jahre 1231 werden erstmalig Bürger der Stadt Homberg in einer Urkunde genannt. Die Stadt Homberg tritt als funktionierendes Gebilde schlagartig in das Licht der Geschichte. Die Gründung könnte somit nur in der Zeit zwischen 1190 und 1231 durch den thüringischen Landgrafen erfolgt sein.
Diesen, hier in groben Zügen dargestellten, Ablauf der Geschichte, findet man bei fast allen Ausarbeitungen und Veröffentlichungen, die sich mit der Gründung der Stadt Homberg an der Efze beschäftigen.

Doch ist der Verlauf der Geschichte in unserem Betrachtungsgebiet so richtig dargestellt?

Ich bin kein Wissenschaftler und ich kenne auch nicht alle Informationen aus den Dokumenten oder der Literatur zu diesem Thema, doch möchte ich hier auf die Unzulänglichkeiten einiger Autoren bei ihren Argumentationen eingehen und dadurch meinerseits zum Nachdenken über die Geschichtsauffassung im Zusammenhang mit der Gründung der Stadt Homberg anregen.

Für mich hat sich die Geschichte in unserem Betrachtungsgebiet in etwa so zugetragen:

Auf Grund der topografischen-strategischen Bedeutung unseres Platzes wurde der Basaltberg frühzeitig befestigt. Wenn der Berg nicht schon zu Zeiten der Chatten als Grenzbefestigung diente, war er doch im Rahmen des fränkischen Siedlungsausbaues befestigt worden, um das Königsgut und die wichtige Straßenkreuzung zu schützen. Doch spätestens mit dem Vorrücken der Sachsen nach Süden war eine Befestigung notwendig Die Burg war eine Königsburg!
Durch die Eingliederung der Kirche zu Mardorf in sein Königgutes von Homberg, durch Karl der Große im Jahre 782, ist die Bedeutung des Platzes Homberg im Mittelalter gut dokumentiert.

Lange Zeit wurde der Hessengau durch das Geschlecht der Konradiner beherrscht.
Nach Zerschlagung der Vorherrschaft der Konradiner im Hessengau wurde der sächsische Teil abgespalten und der fränkische Teil in mehrere Grafschaften aufgeteilt. Es Entstanden die Grafschaften der Werner, der Gisonen und eine Grafschaft Rudolf.  Sowohl das Wernergeschlecht als auch das Grafengeschlecht der Gisonen sollen mit den Konradiner verwand gewesen sein[84]. Daraus erklären sich die enge Verbundenheit der beiden Grafengeschlechter und die Tatsache, dass die Gisonen das Grafengeschlecht der Werner im Hessengau beerbten. Nach dem Aussterben der Gisonen beerbten diese die späteren Landgrafen von Thüringen, die Ludowinger. Die Rudolfische Grafschaft wird von vielen Autoren nicht erwähnt oder ignoriert, da dies nur aus den Dokumenten und Urkunden erschlossen werden kann. Es wird vermutet, dass die Grafschaft Ziegenhain aus der Grafschaft Rudolf hervorging.
In der Urkunde des Jahres 1107 schenkt der Edelfrei Kunemund dem Kloster Hersfeld, in Anwesenheit des Vogtes des Klosters, Graf Giso, Güter in drei Grafschaften. Es handelt sich um jene Urkunde, in der auch der vermutete Vorfahre des Rentwig von Homberg genannt wird. Darin wird einerseits die Grafschaft Rudolf genannt, des Weiteren wird ein Gozmar „junior“ als erster Zeuge aufgeführt.

Bei den Grafen Rudolf handelt es sich vermutlich um Rudolf I., Sohn von Graf Gozmar I. von Reichenbach. Er ist der Bruder von Gozmar II. (junior) von Reichenbach, der als Zeuge genannt wird. Er könnte für den nicht anwesenden Grafen Rudolf als Vertreter der Familie fungieren. Wenn es einen Grafen junior gab, muss es auch einen Grafen senior gegeben haben. Graf Gozmar I. starb erst 1118, das Todesjahr von Rudolf I. wird mit 1123 angegeben. Sie waren aber nicht anwesend. Könnten sie, zur Heerfolge verpflichtet, bei den Feldzügen des Kaisers gegen Polen, Böhmen und Ungarn gewesen sein?

Die Vorfahren der Grafen Gozmar wurden schon im 9. Jahrhundert in Hessengau erwähnt, als sie Güter an das Kloster Hasungen gaben. Vermutlich saßen sie schon zurzeit von König Pippin als Amtsgrafen auf der späteren Burg Reichenbach.
Nicht nur das vermutete Gut bei Homberg, sondern auch andere urkundliche Zeugnisse zeigen uns, dass in Niederhessen Königs bzw. Reichsgut vorhanden war[85]. Die deutschen Könige der Salier waren bestrebt nach einer Periode der schwachen Königsmacht und Erstarkung des Landesadel, ihre Machpositionen zu stärken und „entfremdete Güter“ zurückzuerlangen. Dabei setzten sie auf treue Vasallen und auf die Reichs-Ministerialen. Heinrich III. und sein Sohn setzten auch auf die Ergebenheit der Kirchenfürsten. So wird der Übergang der Königsstadt Fritzlar an den Erzbischof von Mainz in der Regierungszeitzeit Heinrich IV. und Erzbischof Siegfried I. angenommen.
König Heinrich III. oder sein Sohn übergaben im 11. Jahrhundert Reichsgut an die Reichsklöster Fulda und Hersfeld und bestimmte unter anderen die späteren Grafen von Reichenbach und Ziegenhain zu ihren Vögten. So ist zu erklären, dass die Abtei Hersfeld im Jahr 1107 im Besitz der früheren königlichen Kirche in Mardorf erscheint. [86]
Nach seiner Flucht aus der von dem sächsischen Adel belagerten Harzburg nach Kloster Hersfeld, traf sich Kaiser Heinrich IV. südlich von Homberg, bei Frielendorf, mit dem fränkischen Adel und ihrem Aufgebot. Es war für ihn sichere Grund, sein Grund und der Grund seiner Vasallen.

Zum Konzil von Gerstungen 1072/74 wurden 12 Zeugen aus unserem Betrachtungsgebiet von König Heinrich IV. bestimmt
Am 26.07.1184, beim Hoftag zu Erfurt, wo ein Streit zwischen dem Landgrafen von Thüringen und den Erzbischof von Mainz durch den Deutschen König Heinrich VI. geschlichtet werden soll, kam Gozmar III. Graf von Ziegenhain beim Erfurter Latrinensturz ums Leben. Die Anwesenheit des Grafen von Ziegenhain bei diesem Hoftag zeigt, dass es sich bei dem Streit auch um Angelegenheiten in Hessen handelte.

Zum vermuteten Zeitpunkt der Gründung der Stadt Homberg an der Efze „herrschten“ die Grafen von Reichenbach über den Platz am „Hohen Berg“. Ob sie das Gründungsrecht vom König erwirkten, oder der Abt von Reichskloster Hersfeld oder der Erzbischof von Mainz als Reichsfürsten den Gründungakt betrieb, ist unbekannt. Der Landgraf von Thüringen war es mit großer Sicherheit nicht!
Da im Zusammenhang mit der Gründung der Stadt keinerlei Auseinandersetzungen zwischen den konkurrierenden Mächten bekannt ist, auch keine Siedlung in der Umgebung durch die Stadtwerdung wüst wurde, kann vermutet werden, dass alle Mächte diesen Akt zustimmten oder duldeten.

Oder aber es existierte bereits eine Siedlung, der das Stadtrecht verleihen wurde!

Der Platz des heutigen Stadtgebietes ist vermutlich schon vor dem 8 Jahrhundert bewohnt. Darauf weisen die Namen der umliegenden Orte hin, die im Zusammenhang mit dem fränkischen Siedlungsausbau entstanden sind.

Nehmen wir die Erkenntnisse aus der Grabung in der Stadtkirche von Homberg hinzu, so kann man begründet annehmen, dass vor dem 9. Jahrhundert an Stelle der heutigen Kirche eine hölzerne Kapelle stand. Diese wurde vor dem Jahre 1000 durch eine steinerne Kapelle ersetzt.
Im 12 Jahrhundert war es notwendig, an Stelle der Kapelle, eine romanische Basilika zu bauen, die ca. 3000 Personen Platz bot. Nach einem Einsturz der Kirche und Wiederaufbau im 13. Jahrhundert, wurde die Kirche in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert zu einer Hallenkirche umgebaut. Für die Menschen war dieser Patz sehr wichtig, denn die Kirchen wurden immer genau auf derselben Stelle errichtet.

So ist zu vermuten, dass im 12. Jahrhundert eine größere Siedlung, nicht nur ein Wirtschaftshof, am südlichen Fuß des Schlossberges bestanden hat, die das Stadtrecht zur unbekannten Zeit erhalten hatte.

Und zuletzt noch ein Punkt, der zur Diskussion gestellt werden sollte.

Die Vermutung, bei der in der Urkunde von König Konrad III. des Jahres 1146[88] genannte Stadt Homberg, es handelt sich nicht um Homberg / Ohm, sondern doch um Homberg / Efze, ist nicht abwegig. Die als Zeugen genannten Grafen von Ziegenhain und von Reichenbach sprechen dafür. Und wie oben erläutert, existiert zu dieser Zeit am Fuße des Schlossberges eine Siedlung, die eine Kirche mit 3000 Stehplätzen hatte.




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